Schmetterlingsmomente

Ein Blinzeln, er läßt sich nieder, für den Moment, auf den Sommerblüten, schaukelt sacht im sanften Wind, läßt die blaue Luft erzittern, Sonnenstrahlen kribbeln auf Nase- und Zehenspitzen, Schmetterlinge im Bauch, nur einen Augenblick der Weile, ein Flügelschlag trägt ihn dahin, ein Blinzeln und er ist wieder fort.

Sommermomente tanzen wie Schmetterlinge in Fliederfarben und Hollerweiß, in Erdbeerglanz und Rosenrot. Der Tag dauert länger als die helle Nacht, die kleinen Roten mit den schwarzen Knopfaugen zieren den Tisch zu Johanni, endlich rechteckig und gerüscht in Form gebracht.

Zutaten für die Johannisbeer-Frangipane-Tart: für den Teig – 200g Mehl, 50g Agavensüße in Pulverform, 150g gewürfelte, kalte Butter, 1 Eigelb, 3-4 Eßlöffel kaltes Wasser, für die Füllung –  150g weiche Butter, 120g Agavensüße in Pulverform, 2 Eier und ein Eigelb, 150g geriebene Mandeln, 50g Dinkelmehl, 200g Jonannisbeeren, 5 Eßlöffel Johannisbeergelee oder Johannisbeerkonfitüre

Für den Teig Mehl und Agavensüße in einer Schüssel vermengen, die Butter mit den Fingerspitzen einarbeiten, bis eine krümelige Masse entsteht. Das Eigelb und das Wasser hinzugeben und mit dem Händen zu einem glatten Teug kneten. Den Teig im Kühlschrank ca. eine Stunde ruhen lassen.

Für die Füllung die Butter und die Agavensüße mit dem Handrührer schaumig aufschlagen. Die Eier und das Eigelb unterrühren. Mit einem Holzlöffel Mehl und geriebende Mandeln unterheben.

Den gute gekühlten Teig zwischen Frischhaltefolie auswalgen und in eine gebutterte und bemehlte Tartform legen. Die Ränder hochschlagen und andrücken. Das Johannisbeergelee oder die Konfiture auf dem Tartboden verteilen. Anschließend die Füllung darüberstreichen. Mit den Johannisbeeren belegen.

Im vorgeheizten Backofen bei 180°C ca. 30 Minuten goldbraun backen.

Schmetterlingsmomente, so flüchtig, behutsam gehalten in der Erinnerung.

Nikki+++

Zeit verfliegt

Es war mal wieder an der Zeit die Flügel auszubreiten und in die Ferne zu schweifen. Die Gedanken wirbelten weit und hoch und auch die Herzen flogen in die Lüfte. Es war mal wieder an der Zeit nach dem Rechten zu sehen dort in der Ferne, die vertraute Luft zu schnuppern, die breiten Straßenzüge zu durchwandern, die sanften Hügel weiter westlich im Frühlingsrausch zu spüren. Es war mal wieder an der Zeit und dann war sie auch schon verflogen. Rasch und immer rascher kreiselte ich zurück im Alltagskarussell, kaum ein Moment der Ruhe, des Innehaltens, vernachlässigt schon viel zulange dies kleine Örtchen meines Gedankenguts. So fand ich dann, es sei mal wieder an der Zeit.

Verträumt war sie, die frühlingshafte Reise. Kirschblütenzarter Schneefall im April. Sanft schaukelten hellrosa Blättchen übers Wasser, wirbelten tausendfach im warmen Wind. Wolkengleich wogten rosébetupfte Blüten im Sonnenlicht. Kaum Farbe und doch ein Farbenzauber, zart berührend und kraftvoll schön.

Da Bilder der Erinnerung an dieser Stelle sehr oft in süßen Speisen das Nachwort finden, gab’s kürzlich zauberhaft, zart rosenbetupftes Kuchengemüse. Ein Karottenkuchen, kräftig und herb fand sich in Begleitung von Beerenfrischkäsecreme wieder. Hand in Hand tauchten sie den regenfeuchten Tag in zartrosa Erinnerung.

Zutaten für die Beerenfrischkäsecreme: 300g Frischkäse, 100g Jogurt, 5 Eßlöffel Honig, abgeriebene Schale einer Orange, einige Erdbeeren oder Himbeeren, tiefgefroren oder frisch

Frischkäse, Jogurt, Honig und Orangenschale aufschlagen. Die Beeren mit dem Pürierstab zu Beerenmus verarbeiten. Das Püree nach und nach unter die Crememasse rühren. Die Creme sollte nur zart rosafarben und nicht zu flüssig sein. Im Kühlschrank die Creme einige Zeit fest werden lassen. Anschließend einen Karottenkuchen oder einen anderen Rührteigkuchen damit bestreichen und mit einer Spritztüte die Röschen tupfen. Wer mutig ist, kann den Kuchen einmal durchschneiden und mit Rosencreme füllen. Dazu wird etwas mehr Creme benötigt. Die Zutatenmenge jeweils entsprechend erhöhen.

Dank unserer kühlen Frühlingstage bleiben die Röschen auch ohne Kühlschrankaufenthalt gar wunderbar in Form.

Nikki+++

hoffnungsvoll knuspernd

So ganz traue ich dem Frühlingsrot der Erdbeeren und der Rhabarerstangen noch nicht. Obwohl die Natur eine andere Geschichte erzählt, ist es doch noch früh im Jahr für die Entfaltung des vollen Aromas. Wie das Eichhörnchen knupsere ich lieber noch etwas an meinen letzten Körnchen und lasse die Frühjahrsboten noch ein wenig in der Sonne reifen. Kräftig die Prise des Sesams, bodenständig der körnige Geschmack der Mandel, sehnsuchtsvoll die üppigen Süße des Honigs, knuspernd lausche ich der Melodie frühlingsfrischer Tage.

Zutaten: 1,5 Kaffebecher geriebene Mandeln, ein halber Teelöffel Natron, ein Viertel Teelöffel Salz, ein Drittel Kaffebecher Honig, ein Drittel Kaffebecher Sesampaste, Vanillearoma, eine halber Kaffebecher Sesamkörner

Die Mandeln, das Salz und das Natron in einer Schüssel mischen. In einer zweiten Schüssel den Honig, die Sesampaste und das Vanillearoma verrühren. Mit den trockenen Zutaten vermischen, bis sich ein fester Teig bildet. Kirschengroße Kugeln drehen, in den Sesamkörnern rollen und zu 6 mm dicken Plätzchen zusammendrücken. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und im vorgeheizten Ofen bei 180°C ca. 10 Minuten backen. Die Plätzchen anschließend wenden und nochmals kurz von der anderen Seite bräunen.

Knupsernd ein altes Bild vor Augen, eichhörnchengleich kramend nach verborgenen Schätzen des Sommers. Ich halte das Bild der Erinnerung fest, die Saat der sonnigen Tage, die es einst gab. Im Herzen sorgsam hütend die Hoffnung, dass ein neuer Anfang uns allen lacht.

Nikki+++

schaumgekrönt

Ich mag das Meer in all seinen vielfältigen Formen. Mal still, mal tropisch, mal unendlich weit. Ich mag das Meer, obwohl oder vielleicht gerade weil es zwischen mir und dem Liebgewonnenen liegt. Fünf Stunden tiefblauer Ozean begleiten mich auf meinen Reisen. Ich blicke hinab auf winzige Schaumkronen. Die Spitze Neufundlands schaumumtost zwischen Wolkenfetzen sagt mir, es ist nicht mehr weit. Der Regen fließt beständig an diesem kalten Sonntag. Heiß und karamellig der Chai, inspiriert von hier, milchschaumgekrönt.

Zutaten: ein Esslöffel Rohrohzucker, ca. 500 ml Milch, vier Nelken, vier Kardamomkapsel, zerstossen, vier schwarze Pfefferkörner, eine halbe Vanilleschote, aufgeschlitzt, ein Stück Ingwer, ca. 2 cm, geschält und in Scheiben geschnitten, eine Prise Salz, Inhalt eines Beutels schwarzen Tees

Den Zucker in einen Topf mit schwerem Boden geben. Auf mittlerer Flamme schmelzen und karamellisieren lassen. Den Topf von der Platte nehmen und die Milch langsam und sehr vorsichtig einrühren. Das flüssige Karamell kristallisiert dabei, schmilzt dann aber anschließend wieder in der heiß werdenden Milch. Den Top zurück auf die Platte stellen, alle Gewürze und den Tee zur Karamellmilch geben. Aufkochen, von der Platte nehmen und ca. zwanzig Minuten ziehen lassen. Den Karamellchai durch ein Sieb gießen, nochmals kurz erhitzen und eventuell aufschäumen.

Ich mag das Meer, weil es Jahr um Jahr die Sieben zueinander bringt. Eines Morgens in der Kringelbäckerei am Ocean Highway: “You might wonder”, sprach der kleine, weise Mann zur Kringelbäckerin, die zuckerschaumige Kringel in die Tüte packte. “You might wonder why we are buying that much.” Er blickte sie abwartend an. “You see”, sagte er schließlich mit einem Lächeln auf den Lippen, “we are a family of seven”.

Der Moment, schaumgekrönt.

Nikki+++

fasten

Die Natur im Drama spiegelt den Zustand der Seele, so lernte ich einst im Deutschunterricht. Üppig ward der Sonnenschein die Woche über. Bescherte berauschendes Frühlingsleuchten am Morgen und Sonnenuntergangsdramen am Abend. Sieben Tage, vom Ostwind sicher getragen, zweisam radelnd, der Sonne entgegen. Samstags dann Windgestöber und feuchte Kühle, beklemmend fast auf sonnenverwöhnten Herzen. Südwestwärts drehte der Wind, blies scharf und böig die Wehmut des nahenden Abschied in die Gemüter. Fastenzeit, Verzicht auf Liebgewonnenes, die Seele zehrt vom fortgewehten Sonnenschein.

Rote Beete zauberten schließlich Farbe ins Gemüt, ließen die trüben Wolken vergehen. Das Grün spriest zaghaft noch, doch hoffnungsfroh. Fasten tut gut.

Zutaten: ca. 200g Rote Beete, vorgekocht, ein Apfel, ca. 200 ml Orangensaft, 2 Teelöffel Agavendicksaft

Rote Beete würfeln, Apfel schälen und achteln, alles mit Orangensaft und Agavendicksaft in einen Mixbecher geben und mit dem Pürierstab auf höchster Stufe cremig rühren. Wem das rote Püree zu dickflüssig ist, der gibt je nach Gusto etwas Wasser hinzu.

Fastenzeit, nach innen horchen, die Stille spüren, der Sonnenuntergang am Abend dann rotgolden und voll Erinnerung.

Nikki+++

Zugvögel

Plötzlich sind sie wieder da. Frühzeitig am Ende dieses Winters der keiner war. Das Licht des hellen Morgens strahlte sie an, beglückt. Noch nicht März und schon zurück. Früh und unbekümmert.

Im letzten Jahr sah ich sie zu dieser Zeit noch ganz versonnen durch südlichere Wärme staksen mit Wintersonne auf dem Federkleid. Heute ein Rauschen in der Luft, sie ließen sich nieder im Lichtermeer, das die Sonne auf Boden und Wände malte. Die Schwingen weit, schlank die Hälse, stark die Schnäbel, die Erscheinung pure Eleganz.

Schnell falten die Hände, haben viel geübt und sind doch noch lange nicht am Ziel. Ziehen will das Herz, sorglos der Sonne entgegenstreben. Denn wer sich mit Mut in die Lüfte hebt, kehrt immer wieder gern zurück.

Nikki+++

PS: Origami-Kraniche aus alten Buchseiten zum heutigen creadienstag und zum dienstäglichen Upcycling by zepideh. Faltanleitungen finden sich unter vielen anderen sehr einleuchtend hier.

Inselglück

Darüber nachzudenken, wie und mit welchem Gefühl im Bauch man den Tag beginnen läßt, ist eine Frage, auf die es die vielfältigsten Antworten gibt. Der kulinarische Start in den Tag ist auf der kulturellen und auch auf der persönlichen Ebene so unterschiedlich ausgeprägt, dass sich selbst im Kleinkosmos des häuslichen Frühstückstisches fast philosophisch anmutende Debatten darüber entspinnen. Kaum eine Mahlzeit ist so von Gewohnheit geprägt, die liebgewonnen und im morgendlichen Halbschlafmodus auf keinen Fall geändert werden sollten. Glaube und Wahrheit reiben sich hier besonders gern.

Nun muss ich doch ab und an in unserer kleinen Frühstücksrunde der jugendlichen Gewohnheitsbildung mütterliche Sorgfalt entgenstemmen. Mit immer neuen Listen will ich den jugendlichen Freiheitsdrang im hektischen Alltag in nahrhafte Bahnen lenken. Auf meiner Suche nach sowohl Genuss- als auch Gehaltvollem, das dennoch in morgendlicher Raserei rasch zu verzehren sei, blieb ich bei den Inselbrötchen hängen. English Muffins, bekannt als Sechserpack in Zellophan, im Supermarktregal Nachbarn der Toastbrotlaibe. Bei uns heute hausgemacht in Vorratsmenge, werden sie bar jeder Plastikhülle in kommenden Tagen ein schneller und knuspriger Frühstücksbegleiter sein.

Zutaten: 500g Dinkelmehl, 1 Teelöffel Salz, 1 Eßlöffel Zucker, 1 Teelöffel Natron, ein Würfel frische Hefe, 250 ml lauwarme Milch, 40 g Butter, geschmolzen, 1 Ei, Polentagrieß für das Backblech

Alle Zutaten zu einem geschmeidigen Hefeteig verkneten. Den Teig auf bemehlter Fläche ausrollen, mit einem Glas Kreise ausstechen und auf ein mit Polentagrieß bestreutes Backblech setzen. 20 Minuten zugedeckt gehen lassen.

Eine beschichtete Pfanne bei mittlerer Flamme erhitzen und die Teigkreise auf beiden Seiten goldbraun anrösten. Auf das Backblech zurücklegen und 15 Minuten im vorgeheizten Backofen bei 180°C fertig backen. Auf einem Gitter auskühlen lassen. Luftdicht verpackt halten die Muffins mehrere Tage und können zum Frühstück aufgetoastet werden.

Frühstückt inselbeglückt!

Nikki+++

Streifenpoesie

Runde und Runde schwindelig wirbelnder Bilder-Buchstaben-Reigen, Stunde um Stunde gedreht zu schlankem Gefäß. Schon lange wollte ich es einmal ausprobieren, doch scheute ich immer das ewigen Schneiden und Falten der Streifen auf dem Weg zur Ruhe im Auge des Sturms. Nun endlich über die innere Hürde gesprungen, sollte ich die meditative Qualität der immergleichen Bewegungsabläufe entdecken. Geduld hat ihren Preis und doch gibt sie ebensolchen vielfach zurück.

Aus kleiner Windung wogten immer weitere Kreise. Papierstreifen, 3 Zentimeter breit, gefaltet entlang der Mitte, mit flüssigem Kleber oder auch Klebestift verbunden zu immerwährenden Runden. Die Falz der Streifen im Boden noch himmelswärts blickend, drehte sich im Wachsen nach unten und verlieh dem in diesem Falle sehr schlanken Wuchs Stabilität und Stärke. Je mehr Geduld im Boden steckt, desto breiter kann sich das Gefäß entfalten. Sanft wölbt sich dann die Seite, Streifen um Streifen leicht versetzt die anderen umrundend.

Mit dieser stillen Streifenpoesie dreh’ ich mich heute mit im farbenfrohen creadienstag-Reigen.

Nikki+++

Ein Schatz geht auf die Reise

Unter der aurgusäugigen Oberaufsicht der beiden gestrengen Preisrichter habe ich heute ob der überschaubaren Menge der Teilnehmer geschnibbelt und beschriftet. Da die kleine Miss und der Herr Erfinder sich trotz sonst unbestreitbarer Geschwistereintracht nicht einig werde konnten, wem die Ehre der Glücksfee gebühre, wurde kurzerhand beschlossen, sich lieber nicht zu erzürnen, sondern beider Hände Glück bringen zu lassen. Darob gibt es nun zwei, hoffentlich unendlich Glückliche, die den papierenen Schatz gehoben haben. So gehen nun die zarten Gebilde in Gold und Pastell zu Aileen und Dominique auf die Reise, um zukünftig an neuer Wirkungstätte güldenen Glanz zu verbreiten, solange es gefällt.

Ich bin wie immer besonders erfreut über all eure Aufmerksamkeit und verspreche jenen, die dieses Mal am Schatz vorübergingen, ein anderes Mal mit neuem Glück.

Nikki+++

Spätwintersonne

Man spürt es schon, dass die Tage wieder lichter werden und das Strahlen am Himmel wieder breiter wird. Stets senkt sich der Nebel sich noch beharrlich über Abend und den frühen Morgen, die sonnendurchwirkten Mittagsstunden jedoch lassen den Frost am Boden beinah vergessen. Noch wird er bleiben, der winterliche Hauch und die Erfahrung lehrt, dass er sich gar zu gerne in die Länge zieht. Den Durchhaltewillen gilt es kulinarisch nun zu stärken, mit Sonnenfarben und Wärmenden für Herz und Bauch.

Das Rosmaringebüsch wintert im Hausflur und versorgt mich auch in kalter Jahreszeit tapfer mit meiner Lieblingswürze. Zu solch gehackten grünen Nadeln in Shortbread gesellten sich an diesem Wochenende Südfrüchte und asiatisches Gewürz. Curd, mein bevorzugtes Gerührtes, in diesem Falle mit Orangen und Kardamom.

Zutaten: 4 Eigelb, 200 g Zucker, 1 Teelöffel geriebener Kardamom, 180 ml frische gepresster Orangensaft, 120 g Butter, kalt und gewürfelt, 1 Prise Salz, geriebene Schale einer unbehandelten Orange

In einer Rührschüssel Eigelbe und Zucker zu schaumiger Masse rühren, Orangensaft und Kardamom hinzufügen. Die Mischung in einen Edelstahltopf mit schwerem Boden geben. Auf niedriger Stufe mit einem Holzlöffel ständig rührend erhitzen, bis die Masse eindickt. Die Butter mit einem Schneebesen unterrühren, Orangenschale und Salz hinzugeben. Unter Rühren weiter erhitzen, bis die Masse eine puddingartig erscheint. In verschließbare Gläser oder Schalen füllen und abkühlen lassen.

Gut gekühlt läßt sich mit der herben Strenge des Rosmarin und der verträumten Süße der Orange gar wunderbar durch die kommende Zeit wandern.

Wintert gut!
Nikki+++